Nicht viele Themen im Personalmanagement werden so oft und so kontroversiell diskutiert, wie das der Teilzeit-Arbeit.

Das Bedürfnis nach Work-Life-Balance oder familiäre Verpflichtungen wie die Kindererziehung führen dazu, dass Teilzeitbeschäftigung aus Sicht der ArbeitnehmerInnen ein attraktives Arbeitszeitmodell darstellt.

Gleichzeitig bleibt der negative Effekt von Teilzeitbeschäftigung oftmals unbekannt: sie führt nämlich in der Regel zu einer großen Pensionslücke, dem Gender Pension Gap. Bereits eine zweijährige Teilzeit senkt die Durchschnittspension um 1,7 bis 2,1 Prozent. Wird mehr als die Hälfte des Erwerbslebens 20 Stunden pro Woche gearbeitet, so fällt das Lebenseinkommen um bis zu 30% geringer aus als bei einer Beschäftigung von 30 Wochenstunden (Quelle: Wifo).

Nicht nur bei den Frauen, auch bei den Männern steigt die Zahl der Teilzeit-Arbeitenden langsam aber stetig an. Die junge Generation lebt das Thema Vaterschaft anders – sie wollen die Entwicklung ihrer Kinder nicht verpassen.

Im Hinblick auf die sich verändernden Vorstellungen von zufriedenstellenden Arbeitsbeziehungen sowie die demografischen Veränderungen – und dadurch resultierend längere Lebensarbeitszeiten – wird das Thema Teilzeit für ArbeitnehmerInnen zunehmend relevanter.

Um diesen Entwicklungen vorbereitet zu begegnen, ist es nötig, sich dem Thema Teilzeit als Unternehmen zunehmend zu öffnen und sich folgende Fragen stellen:

  • Welche Generationen von ArbeitnehmerInnen haben welche Bedürfnisse in Bezug auf zufriedenstellende Arbeitsbeziehungen?
  • Welche Stellen müssen in Vollzeit besetzt werden und welche Stellen sind auch in Teilzeitbeschäftigung wahrnehmbar?
  • Wie können Führungskräfte darauf sensibilisiert werden, dem Thema Teilzeit positiv gegenüberzustehen?
  • Wie kann eine Büroorganisation aussehen, die einem steigenden Anteil an Teilzeitbeschäftigung gerecht wird?
  • Was kann dazu beitragen, weniger beliebte Arbeitszeiten (z.B. Nachmittagsbeschäftigung) attraktiver zu gestalten?
  • Für welche Zielgruppen können diese Arbeitszeiten attraktiv und leistbar sein?
  • Wie kann Teilzeit zu einem für das Unternehmen lohnenden Beschäftigungsmodell gemacht werden?

Für die Unternehmen hat Teilzeitbeschäftigung viele Vorteile. Sie ermöglicht es, den Personaleinsatz flexibler an den Bedarf oder an die Nachfrage anzupassen und so auf Auftragsspitzen und -täler rascher und präziser reagieren zu können. Je nach Arbeitszeitmodell ist es damit sogar möglich, Personalkosten zu reduzieren, indem der Faktor „Arbeitszeit“ effizienter und effektiver eingesetzt wird.

Wie die Ergebnisse unserer Umfrage zeigen, werden Teilzeitkräfte von den Unternehmen sehr geschätzt. So werden Sie unter anderem in Hinblick auf ihre Produktivität besser beurteilt als Vollzeitkräfte.

Auch die befragten Unternehmen nehmen eine verstärkte Wunsch nach Teilzeitmodellen wahr, und das auch bei männlichen Mitarbeitern. Sie sind davon überzeugt, dass es mit flexibleren Arbeitszeitmodellen leichter gelingt, passendes und qualifiziertes Personal zu finden, insbesondere auch für Führungsfunktionen.

Der Ausbau von flexiblen Arbeitszeitmodellen in allen Berufsgruppen und Positionen ist also nicht nur ein wirtschaftlicher Gewinn sondern auch ein wichtiger Schritt in Richtung Gleichstellung von Mann und Frau. Für nähere Informationen empfehlen wir an dieser Stelle die Studie: “Wie flexibel arbeitet Österreich”.

Um auf den Trend nach mehr Teilzeitbeschäftigung seitens der ArbeitnehmerInnen zu reagieren und auch den vollen wirtschaftlichen Nutzen daraus zu ziehen, muss es uns gelingen, Teilzeit nicht mit weiblicher und niedrigqualifizierter Tätigkeit zu assoziieren sondern sie stattdessen als Managementtool zu verstehen und auch als solches zu nutzen.

Elisa Aichinger

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