Eine Analyse des Geschlechterverhältnisses in Österreich – Aktualisierung 2017

Die Wirtschaft braucht mehr Frauen, die sich für Technikerberufe entscheiden. Laut Prognosen der Industriellenvereinigung, könnten bis 2020 im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich allein in Österreich fast 40.000 neue Jobs entstehen. Da es jetzt schon für viele Unternehmen schwierig ist, genug qualifizierte technische Fachkräfte zu finden, halten viele Unternehmen verstärkt nach Technikerinnen Ausschau. Am geringen Frauenanteil in dieser Berufsgruppe – der nach wie vor bei bescheidenen 10 – 20 Prozent liegt – hat das jedoch (noch) nichts geändert.

In einer Studie der Arbeiterkammer wurde der Frage auf den Grund gegangen, was Frauen von Technikerberufen fernhält.

Die Gründe dafür werden in der Studie so zusammengefasst:

  1. Der Frauenanteil ist Thema, den Unternehmen geht es aber zu langsam vorwärts. Mit Ausnahme der Pharmaindustrie, wo der Anteil der Technikerinnen schon nahe an der 50-Prozent-Marke liegt, zeigten die Unternehmensvertreterinnen Ungeduld bis hin zu Frustration bezüglich der erzielten Fortschritte.
  2. Ja zur Erhöhung des Frauenanteils, aber nicht alle Unternehmen legen sich messbar fest. Vom Bekenntnis zu „mehr Frauen“ bis hin zu mit Kennzahlen hinterlegten Zielen inkl. Controlling der Kennzahlen war die ganze Bandbreite an Zielen vorzufinden.
  3. Vorurteile müssen auf verschiedenen Ebenen abgebaut werden. Neben jungen Frauen und Mädchen selbst sind auch speziell deren Eltern mit Vorurteilen gegenüber Frauen in „Männerberufen“ behaftet. Dagegen werden Maßnahmen eingesetzt wie Testimonials in Schulen und Universitäten und die Teilnahme am „Tag der Lehre“ u.Ä.
  4. Unternehmen sprechen Frauen anders an. Männer und Frauen reagieren unterschiedlich auf die sprachliche und optische Gestaltung von Stellenausschreibungen. Ein Großteil der befragten Unternehmen arbeitet daher intensiv an deren Optimierung für Frauen in Anzeigen und auf Homepages. Außerdem ist persönlicher Kontakt zu potenziellen Bewerberinnen ein wichtiger Erfolgsfaktor.
  5. Beim Bewerben stapeln Frauen tief – Unternehmen versuchen, das auszugleichen.
    Frauen werden im Bewerbungsprozess als zurückhaltender erlebt und sind oft (unbewusster) Diskriminierung ausgesetzt. Maßnahmen dagegen wirken allerdings nur, wenn die Personalabteilung den strukturierten Einstellungsprozess begleitet.
  6. Technische Berufe sollen auch langfristig interessant bleiben – gerade für junge Mütter, Stichwort Drehtüreffekt. Frauen würden zwar langfristig im Unternehmen bleiben, aber – speziell nach dem ersten Kind – in technische Randbereiche und koordinierende  Rollen abwandern, die sich leichter mit Teilzeitarbeit vereinbaren lassen. Die befragten Unternehmen investieren viel in das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Karenzmanagement und Personalentwicklungsmaßnahmen. Zusätzlich wird eine männlich geprägte Organisationskultur als Risikofaktor für das Ausscheiden von Frauen aus technischen Berufsfeldern genannt. Hier tut sich ein weites Feld für zukünftige Maßnahmen auf.

Die Studie.
Die Studie mit einer Übersicht zu den Hindernissen und Maßnahmen finden Sie hier: Link zur Studie Rekrutierung von weiblichen Fachkräften im technischen-naturwissenschaftlichen Bereich – Herausforderungen und Best Practices

"Rekrutierung von weiblichen Fachkräften im technischen-naturwissenschaftlichen Bereich – Herausforderungen und Best Practices"

Autorin: Dr.in Martina A. Friedl im Auftrag der AK Wien

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