Im Zeitalter der Digitalisierung verändern sich Unternehmen und deren Prozesse so schnell und tiefgreifend, dass agiles Arbeiten obligatorisch geworden ist. TechnikerInnen, Kreative und ManagerInnen arbeiten abteilungsübergreifend zusammen. Für diese Herausforderungen benötigt man Menschen, die integrieren und Konflikte lösen können, Empathie und ein psychologisches Gespür haben. Fähigkeiten, die vor allem Frauen zugeordnet werden.

Gehören Frauen nun zu den Profiteurinnen der Digitalisierung oder verstärkt die digitale Transformation bestehende Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern sogar?

  • Entsprechend einer Studie von Accenture aus dem Jahre 2016 sind Frauen den Anforderungen der digitalen Arbeitswelt besser gewachsen als Männer. (Link zur Studie)
  • Flexibles Arbeiten und digitale Kommunikation erleichtern Frauen den Spagat zwischen Familie und Beruf. Weltweit erklärten sechs von zehn Frauen, die derzeit keine Anstellung haben, dass z. B. das Mobile Working und flexible Arbeitszeiten ihnen helfen würden. Somit würde unter anderem auch höherqualifizierte Teilzeitarbeit ermöglicht werden.
  • Was bleibt: der Gender Pay Gap. Frauen sind überwiegend besser ausgebildet und haben die Männer in dieser Hinsicht sogar überholt. Leider hat das bis dato kaum Auswirkungen auf die Verringerung der Lohnschere.


Höchstqualifiziert … aber Aufholbedarf in MINT Fächern

Wir befinden uns im Wandel von der Industriewirtschaft zur Wissensökonomie. Frauen scheinen hier bestens gerüstet zu sein. 57,1% der Maturaabschlüsse und 55,8% der Studienabschlüsse an Universitäten (2016/2017) wurden von Frauen erworben. Das mittlerweile höhere Ausbildungsniveau von Frauen spiegelt sich aber nur unzureichend in den Berufschancen wider. Frauen sind häufiger unter ihrem Qualifikationsniveau beschäftigt und in der Digitalwirtschaft unterrepräsentiert. Was nicht zuletzt daran liegt, dass die Wahl der Ausbildung noch immer stark von traditionellen Frauen- und Männerrollen bestimmt ist.

Im 10-Jahresvergleich (2006/07 und 2016/17) lässt sich jedoch erkennen, dass sich langsam aber doch Veränderungen einstellen: Der Frauenanteil in Technischen Studienfächern hat um +6,2 Prozentpunkte zugenommen. Es reicht aber nicht, Frauen davon zu überzeugen, verstärkt MINT Fächer zu studieren; Unternehmen müssen Frauen auch gleiche Gehälter und Aufstiegschancen bieten.

Der Einkommensbericht 2018 zeigt, dass der Gender Pay Gap bei den technischen Berufen besonders hoch ist (Naturwissenschaftlerinnen, Mathematikerinnen und Ingenieurinnen verdienen um 33% weniger als ihre männlichen Kollegen, bei ingenieurtechnischen und vergleichbaren Fachkräften liegt der Pay Gap sogar bei 36%).

Die Unterschiede in der Bezahlung von Männern und Frauen sind in stark digitalisierten Branchen, wie etwa der IT-Technik und der Kommunikationsbranche weiterhin ausgeprägt. In Branchen mit geringerer Digitalisierung wie dem Gesundheitssektor und dem Gastgewerbe, in denen der Frauenanteil traditionell höher ist, liegt der Gap derzeit bei bei 11,5% bzw. 4,7% (Quelle: Eurostat; Vergleiche auch Pay Gap Berufsgruppen).

An lebenslangem Lernen führt kein Weg vorbei

Unternehmen müssen sich von der Idee der „fertigen“ Arbeitskraft lösen. Denn gerade vor dem Hintergrund des digitalen Wandels ist lebenslanges Lernen eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche Karrierewege. Das Aneignen und Beherrschen neuer Tools und digitaler Prozesse wird Grundvoraussetzung am Arbeitsmarkt der Zukunft.

Der  „rund um die Uhr Zugang“ zu Bildung und Weiterbildung über Fernstudien-Institute und Plattformen (wie zB http://mooc.org/, https://www.linkedin.com/learning/, youtube learning channels,…) macht Weiterbildung flexibler, wovon besonders Menschen­­­ mit Betreuungspflichten profitieren.

 

 

Welche Jobs erfahren eine Aufwertung, die nicht digitalisiert werden können?

In Zukunft wird verstärkt das richtige Bündel an Kompetenzen, Skills, Potenzialen und dem starken Willen sich ständig weiterzuentwickeln für den Erfolg am Arbeitsmarkt entscheidend sein.

Der Philosoph Richard David Precht meint, wir müssen uns auf turbulente Zeiten einstellen. Viele Beschäftigungsverhältnisse werden in der nahen Zukunft enden.
Die Digitalisierung trifft nicht nur Niedriglöhner, sondern auch besser ausgebildete Beschäftigte wie Banker, Versicherungsangestellte und Justitiare. Zwar kommen auch neue Stellen hinzu, aber die sind vor allem etwas für die wenigen top-ausgebildeten Informatiker.

Einige Skillprofile sind dennoch besonders zukunftsfähig. Nämlich diejenigen, die nicht von Computern und der künstlichen Intelligenz übernommen werden können. Kreatives, schaffendes und lösungsorientiertes Denken und soziale Kompetenzen.

Vieler dieser Fähigkeiten werden hauptsächlich Frauen zugeordnet und diese könnten davon profitieren… aber eher übermorgen als morgen.

Elisa Aichinger

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Anita Rainer

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