Interview mit Julia Nowotny Personalmanagement & -entwicklung | Ferdinand Porsche FernFH

 

Digitalisierung und Gender Equality. Wo gibt es hier Schnittmengen? Dazu haben wir ein spannendes Unternehmen in der Equal Pay Beratung, das sich mit beiden Aspekten aktiv beschäftigt.
Die Ferdinand Porsche FernFH empfängt uns dazu im Studienzentrum in der Mariahilfer Straße in Wien. Wir treffen dabei auf die Leiterin des Personalmanagements Julia Nowotny und werden auch von ihrer Hündin Zuri herzlich begrüßt. Nach ein paar Streicheleinheiten und gelungenen Fotos, dürfen wir uns den Fragen widmen.

Equal Pay: Frau Nowotny, wie sind Sie auf das Beratungsprogramm Equal Pay aufmerksam geworden?
Julia Nowotny: Ich bin bei der FernFH nicht nur Leiterin der Personalabteilung, sondern habe auch die schöne Aufgabe die Gender- und Diversity Beauftragte zu sein. Eine Kollegin, die damals auch Gender- und Diversity Beauftragte mit mir gemeinsam war, ist zufällig über das Internet auf das Beratungsangebot gestoßen. Die Möglichkeit im Programm die HR-Prozesse in Hinblick auf Chancengleichheit zu professionalisieren, hat uns schlussendlich überzeugt mitzumachen.

Equal Pay: Was sind denn aus Ihrer Sicht die zukünftigen Herausforderungen für Arbeitskräfte?
Julia Nowotny: Der klassische Bildungsweg „Schule-Uni-Arbeit“ ist bereits ein Auslaufmodell. Lebenslanges Lernen hat mittlerweile einen ganz hohen Stellenwert bekommen. Wir sind der Überzeugung, dass mehr Bereitschaft für Weiterentwicklung und Flexibilität bestehen muss. Die Grundvoraussetzungen und erwarteten Basiskompetenzen werden permanent neu definiert. Man muss beispielsweise ständig neue digitale Tools beherrschen.

„Die Grundvoraussetzungen an Kompetenzen werden permanent neu definiert.“

Equal Pay: Sind die Bildungseinrichtungen in Österreich darauf vorbereitet? Haben die Schulen und Universitäten die Notwendigkeit für Innovationen denn überhaupt erkannt?
Julia Nowotny: Österreich bewegt sich eher im europäischen Mittelfeld. Ja, die Sensibilisierung besteht, aber man muss jetzt dringend vom Reden ins Tun kommen. Wir müssen aktiv das digitale und damit verbundene kritische Denken fördern. Dazu benötigt es Lehrkräfte, die das umsetzen können und beherrschen. Auch ein Best-Practice Austausch der Bildungsinstitutionen wäre unter anderem sehr wertvoll.

Equal Pay: In Zukunft wird das Bündel an richtigen Kompetenzen den Arbeitsmarkt erobern. Laut einer Studie von Accenture aus dem Jahre 2016 sind die Frauen dabei den Anforderungen der digitalen Arbeit besser gewachsen als die Männer…
Julia Nowotny: Ich habe die Beobachtung gemacht, dass Frauen sich grundsätzlich oft schneller und besser an Veränderungen anpassen können. Und sie sind oft eher dazu bereit, sich fehlende Kompetenzen anzueignen. Grundsätzlich aber denke ich nicht, dass ein Geschlecht besser mit digitalen Herausforderungen umgehen kann als das andere.

Equal Pay: Wie sieht es denn mit den Studierenden an der FernFH aus. Nehmen vermehrt Frauen die Fernausbildung wahr?
Julia Nowotny: Zuerst möchte ich betonen, das wir als FernFH die einzige Fernfachhochschule in Österreich sind, die „Blended Learning“ anbieten. Das heißt, wenig Präsenzelemente und eine intensive Fernlehrphase über den Online-Campus.

Prinzipiell haben wir einen 50/50-Anteil über alle Studiengänge hinweg. Aber auch bei uns gibt es die klassischen Gewichtungen. So haben wir bei Wirtschaftsinformatik nur 30 % Frauen und bei Aging Services Management dafür sogar 70 %.
Aus Erfahrung wissen wir, dass viele Frauen das Studium bei uns wählen, weil es ein Höchstmaß an Flexibilität bietet.

 

Wir sind die einzige Fernfachhochschule die „Blended Learning“ anbietet

Equal Pay: Nicht nur die ArbeitnehmerInnen müssen sich auf die Flexibilität einstellen. Wie handhaben Sie es in der FernFH?
Julia Nowotny: Wir lassen uns dieses Potenzial nicht entgehen und viele unserer MitarbeiterInnen nutzen das Angebot „Mobile Working“. Das ist mittlerweile auch ein Anreiz, der aktiv bei Bewerbungen nachgefragt wird. Interessant sind aber die unterschiedlichen Motive bei der Flexibilisierung der Arbeitsstunden und des Arbeitsplatzes. So geben viele unserer weiblichen Kolleginnen an, die Flexibilität vor allem für die Familie und Kinder zu nutzen. Die Männer hingegen erwarten sich daraus mehr Zeit für ihr Freizeitgestaltung, Hobbies und zum Beispiel für den Sport.

 

„Frauen nutzen Flexibilität für Familie, Männer für Freizeit.“

Equal Pay: Welche Maßnahmen setzt die FernFH für Chancengleichheit und faire Bezahlung der MitarbeiterInnen?
Julia Nowotny: Wir hatten auch vor der Equal Pay Beratung schon einiges umgesetzt. Es war für uns besonders schön, in der Analyse die Bestrebungen sichtbar zu haben. Mit den beiden Beraterinnen Claudia Holzer und Juliana Wolfsberger sind uns zusätzlich in der netten Zusammenarbeit tolle Schritte gelungen. So haben wir unter anderem die Jobfamilien und das Gehaltssystem strukturiert und professionalisiert.
Wir haben ein paar Rahmenbedingungen definiert, die individualisierte und flexible Lösungen ermöglichen. Zum Beispiel bieten wir ein sehr flexibles Mobile Working Angebot für alle MitarbeiterInnen an, das vor allem von MitarbeiterInnen mit Betreuungspflichten sehr gerne und z.B. in Ferienzeiten sehr intensiv genutzt wird. Termine werden über Skype gehalten.
All das ginge nicht ohne einer ganz wichtigen Komponente…
Equal Pay ist Vertrauenssache!

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