Lesen Sie mehr auf

Fairer Lohn für Frauen und Männer

Kellner, Friseur, Apotheker, Verkäufer oder Grundschullehrer – früher waren das alles männlich geprägte Berufe. Heute sind es vor allem Frauen, die Haare schneiden und Getränke servieren. “In all diesen Fällen kam es vor oder während der Feminisierung zu einem teils erheblichen Statusverlust dieser Berufe, Berufsbereiche oder Branchen”, erklärt die Soziologin Angelika Wetterer – und nicht immer, aber oft auch zu finanziellen Einbußen.

Das Phänomen der Feminisierung und gleichzeitig schlechteren Bezahlung in einer Branche gibt es nicht nur in Österreich und Deutschland: Eine Studie aus den USA zeigte am Beispiel von Mitarbeitenden im Öffentlichen Dienst in Kalifornien, dass mit steigendem Frauenanteil die Löhne sanken. Sobald in einem Beruf mehr als 60 Prozent Frauen arbeiten, kommt es zu Gehaltseinbußen, ermittelten die Sozialwissenschaftler Daniel Oesch und Emily Murphy: Sie hatten untersucht, wie sich die Gehälter von Beschäftigten in Deutschland, Großbritannien und der Schweiz entwickelten, die in einem weiblicher werdenden Beruf tätig waren.

Programmieren war früher Frauensache

Das Beispiel des Programmierens zeigt, dass der umgekehrte Effekt ebenfalls existiert: Wenn eine Branche männlicher wird, wird dort auch besser gezahlt. Die frühen Computer in den Sechzigerjahren programmierten in erster Linie Frauen. “Das war damals als Aufgabe für Bürokräfte mit niedrigem Status vorgesehen, und das waren vor allem Frauen”, beschreibt der US-amerikanische Informatikprofessor Nathan Ensmenger. Als Computer immer wichtiger wurden, professionalisierte sich die Branche. Die Frauen wurden verdrängt. “Das Programmieren wurde mit der Zeit bewusst in ein wissenschaftliches, männliches Fach mit hohem Status verwandelt”, schreibt Ensmenger. Und in eine Tätigkeit mit guten Gehältern – bis heute.

Entwertungsthese“: So nennen Wissenschaftler das Phänomen, dass ein höherer Frauenanteil einen Beruf entwertet und die Löhne für Männer wie für Frauen sinken lässt. Allein: Es gibt Zweifel, ob tatsächlich beide Geschlechter von dieser Entwertung betroffen sind.

Quelle: zeit.de

© 2018 Equal Pay

Diese Maßnahme wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds in der IP Gleichstellung und des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz finanziert.